Ungleiche Freundschaft

“Ich kann nicht in Worten ausdrücken, wie viel er mir bedeutet. Er kann mein Retter in zynischer Rüstung sein; er kann mein Anker sein über tausende Seemeilen entfernt; er kann mich warten lassen, mich aufbrausen lassen und mir ein Spiegelbild vorhalten, das ich so nicht sehen will.

Er sagt, Bullshit. Top. Voilà. Auch egal.

Ich sage, Man man man. Ich liebe dich. Du liebst mich.

Etwas zu aufdringlich? Zu offensichtlich? Zu forsch?

Er sagt nicht, ich kann mit deiner Zuneigung nicht umgehen.

Ich sage nicht, ich habe Angst dich zu verlieren.

Er hat mir schon schlaflose Nächte bereitet. Kopfkinozeit: Freier Eintritt, Spielfilmlänge ungewiss, Genre umfasst Komödie, Drama und Romantik. Eher Drama. Realität verschwimmt mit Fantasie. Gefährlich – was war nochmal was? So erbauen sich Mauern aus Erwartungen ganz von allein. Und wenn sie einstürzen, zerbricht eine Welt.

Pro und Contra-Liste. Oder doch lieber eine mind map? Vielleicht sollte ich den Kontakt auch gleich abbrechen.

Contra: ich war nie abhängig vom Telefon, nun starre ich darauf und warte. Ich liebe Kontrolle, Dinge, am besten in Farbe markiert, zu ordnen, zu verstauen und abzuschließen. Das ging lange gut – mit Dokumenten, Bildern, Anziehsachen und Gefühlen. Das geht jetzt nicht mehr so gut. Und es ärgert mich. Aber das schlimmste ist die Tatsache, dass ich die Tür nicht mehr schließen, den Schalter nicht mehr umlegen, den Kontakt nicht abbrechen kann. Nicht, dass ich das will. Aber ich könnte es noch nicht mal. Ein wollendes Nicht-können. Ich will mit ihm teilen – meine Affektion zu einem gelben Bären und spitzohrigen Fabelwesen und meine Ängste und Kämpfe, die mir bei ihm nicht unangenehm sind.

Pro: Er ist mein Lieblingsthema und wir haben eine Gemeinsamkeit. Was uns eint, ist unsere Liebe zu Menschen, die nicht vorhanden ist.  Nicht-Liebe also. Kein Hass, sondern das Wissen um die Fehlbarkeit eines jeden. Auch meine Fehlbarkeit, die er aushält. Hinzu kommen noch einhändiger Handstand, sprachliches Genie und ausgeprägte Reiselust. Eine weitere Gemeinsamkeit – Rast- und Ruhelosigkeit. Reisen wir auf etwas Neues zu oder laufen wir vor etwas, jemanden, uns weg?

Warten. Auf seine Antworten. Auf hellere Tage, an denen ich aufwachen mag. Auf etwas, das es nie geben kann. Auf eine Zeit, in der ich sein Bild angucken kann und mich nicht an seine Seite wünsche. Auf ein Morgen, eine Zukunft, die ich mir nicht vorstellen kann. Die ich mir nicht vorstellen will.

Geschichten, die das Leben schreibt. Beschwerde an das Leben: was sind das für scheiß Geschichten?

Er sagt, ich bin hier.

Ich denke, nein, bist du nicht.”

 

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